Eine PLM Open Hour der Intelliact AG
Die Regularien für Substance Compliance und Environmental Sustainability werden sich weiter verschärfen. Damit stellen sich spezifische Anforderungen an die Produktdaten und -strukturierung, an die Unternehmensprozesse sowie an die Applikationen im Compliance-Prozess.
Für Unternehmen wird es zunehmend wichtiger werden, Nachweise für Substance Compliance (Substanzkonformität) und Environmental Sustainability (ökologische Nachhaltigkeit) verlässlich und insbesondere auch sehr effizient zu erbringen. Das heisst unter anderem, dass die Compliance nicht mehr nur in der Retrospektive eingefordert und beurteilt werden kann, sondern bereits in Design- und Beschaffungsentscheidungen einfliessen muss. Gefragt ist eine belastbare Compliance-Management-Strategie, die individuellen Anforderungen, Voraussetzungen und Zielsetzungen berücksichtigt.
Eine Herausforderung besteht darin, dass zwischen Entscheidungsträgern und Experten respektive zwischen Management und Business oft unterschiedliche Wahrnehmungen und Zielsetzungen betreffend Compliance und Nachhaltigkeit bestehen. Diese «Wahrnehmungskluft» gilt es möglichst zu überbrücken. Weitere zentrale Fragestellungen sind:
Neben den etablierten Verordnungen wie REACH, RoHS sowie weiteren industriespezifischen Verordnungen umfasst der europäische Green Deal als Rahmenwerk konkrete Verordnungen und Regularien. Dazu gehört unter anderem die Öko-Design-Verordnung ESPR oder auch die EU-Batterienverordnung. Diese sollen bis 2030 schrittweise mittels des digitalen Produktpasses (DPP) umgesetzt werden. Bereits bis 2027 treten der Batterie-Pass und der Textil-Pass in Kraft. Es wird also generell zu einer Verschärfung oder Erhöhung der Anforderungen an Unternehmen kommen. Informationen und Produktdaten müssen transparent publiziert werden bis hin zur Herkunft der Materialien, zu Substanzen (SVHCs), zum ökologischen Fussabdruck etc. Daraus ergeben sich drei wichtige Erkenntnisse:
Generell sollte in der durchgängigen Prozesskette möglichst früh eine solide Compliance-Basis geschaffen werden. Bei der Wahl der Compliance-Strategie gilt es zwischen Effizienz und Belastbarkeit abzuwägen. Eine detaillierte Analyse oder gegebenenfalls ein Assessment kann bei der Wahl der situativ richtigen Strategie respektive der passenden Vorgehensweise unterstützen. Die Compliance-Management-Prozesskette besteht aus vier Phasen:
Je präziser die Spezifikation, desto belastbarer der Nachweis. Entsprechend gilt es hier, die Compliance bereits mit Metadaten (Werkstoff, Halbfabrikat, Gewicht etc.) statt auf reiner Dokumentenbasis zu erfüllen. Zudem sollte die Spezifikation bereits die Substance-Compliance-Erfüllung, Umweltfaktoren etc. berücksichtigen (Ökodesign). Auch ein möglichst früher Einbezug des Einkaufs ist wichtig, um Beschaffungsstrategien zu schärfen. Die explizite Definition von Herstellern und Lieferanten von Artikeln gewährleistet die Einhaltung von Minimalanforderungen betreffend Spezifikation von Katalogartikeln (Manufacturer ID).
Bei der Deklaration gilt es, die Hersteller respektive die Lieferkette in die Deklarationspflicht zu nehmen. Ziel und zugleich Herausforderung ist auch hier, die Deklarationen als Metadaten und nicht als Dokumente einzufordern, um die Durchgängigkeit zu gewährleisten. Zur Beschaffung der Deklarationen bieten sich mehrere Optionen an. Die Deklaration kann intern beschaffen werden, indem das Unternehmen mit der Lieferkette kommuniziert, z. B. mittels Deklarationsportal. Es ist auch möglich, für Compliance- und Fussabdrucksdeklarationen externe Unterstützung durch Compliance-Dienstleister zu nutzen.
Der Compliance-Check hinsichtlich Erfüllung der Regulatorien zu Compliance und ökologischer Nachhaltigkeit erfolgt über die gesamten Produktstrukturen (BOMs). Die Kalkulation kann durch einen externen Dienstleister ausgeführt werden, was sehr effizient ist, aber eine geringere Belastbarkeit der Nachweise zur Folge hat. Erfolgt die Kalkulation dagegen intern, besteht ein tiefes BOM- und Kontextverständnis und die Resultate lassen sich in allen BOM-Verwendungen wieder nutzen. Zusätzlich können interne Einflüsse wie Betriebsstoffeinsatz berücksichtigt werden und der IP-Schutz sensibler Daten wie BOMs ist gewährleistet.
In der letzten Phase werden auf Basis der Compliance-Deklaration und des Compliance Checks die verordnungs- und richtlinienspezifischen Nachweisanforderungen für Verkaufsprodukte (Ersatzteile, Ersatzteil-Kits) sowie Einzelartikel erbracht. Entscheidend für die Belastbarkeit der Nachweise ist in jedem Fall eine zuverlässige Datendurchgängigkeit.
Unternehmen sehen sich mit wachsenden gesetzlichen Anforderungen konfrontiert, die regelkonforme und umweltgerechte Produkte verlangen. Damit steigt einerseits der Druck, mit grösstmöglicher Effizienz belastbare Nachweise zu erbringen. Andererseits bietet diese Entwicklung Unternehmen auch die Chance, mit strukturierten Produktdaten und klaren Werkstoffspezifikationen die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
PLM Open Hour: Slides & Aufzeichnung
Die Open Hour rund um Produktdaten und Compliance fokussierte auf relevante Regulierungen und zeigte:
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Wir haben das Webinar «Produktdaten als Basis für verlässliche Compliancenachweise» aufgezeichnet. Melden Sie sich dazu hier an und Sie erhalten den Zugang zur Aufzeichnung: