Eine PLM Open Hour der Intelliact AG
Ein CAD-Systemwechsel ist immer ein grosses Unterfangen, denn CAD-Daten sind der Kern der Produktdaten. Deshalb müssen die Bestandsdaten möglichst verlustfrei und optimal nutzbar ins neue System überführt werden. Entscheidend für den Projekterfolg sind eine möglichst robuste Projektplanung und die Wahl der richtigen Methodik.
Die Gründe für einen CAD-Systemwechsel sind vielfältig. Es kann sein, dass die aktuelle CAD-Lösung die User wegen technischen Hemmnissen oder fehlende Funktionen einschränkt. Manchmal passt die Lösung nicht mehr, weil ein Anbieter eines Tools seinen strategischen Fokus anpasst oder seine Marktposition verändert. Oft kommt es auch vor, dass die bestehende CAD-Lösung die Anforderungen aus der Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens nicht mehr erfüllt.
Neben den Tools und Anbietern gibt es im Unternehmen auch historisch gewachsene Ursachen und Auslöser für einen Systemwechsel. Etwa wenn ein Unternehmen schon immer unabhängige Standorte hatte, die mit unterschiedlichen Tools arbeiten. In diesem Fall ist es wichtig, dass der Systemwechsel nicht nur auf technischer, sondern auch auf organisatorischer und unternehmenskultureller Ebene unterstützt wird. Denn egal wie gut die Technik ist: Entscheidend für den Erfolg sind die Menschen, die damit arbeiten. Transparente Kommunikation, die Einbindung aller Anwender und das Aufzeigen der Vorteile fördern Akzeptanz und helfen, Vorbehalte abzubauen.
Vor der Ablösung eines CAD-Systems ist es entscheidend, klar zu definieren, welche Ziele mit dem Wechsel erreicht werden sollen. Oft geht es um die Steigerung der Effizienz sowie um die Kosten-Nutzen-Optimierung der Tools. Man möchte mehr und präzisere Modelle generieren sowie effizienter Varianten erzeugen und Änderungen umsetzen. Um die Anforderungen an das neue CAD-System – und an die Bestandsdaten im neuen CAD-System – sauber zu klären, gilt es, CAD-Funktionalitäten auf die verschiedenen, unternehmensspezifischen Use Cases herunterzubrechen.
Eine relevante Frage kann hier beispielsweise sein: Müssen Bestandsdaten, die im Ursprungs-CAD konstruiert wurden, im neuen System weiterhin bearbeitbar sein? Oder: Lässt sich eine Baugruppe aus dem Ursprungssystem performant im neuen System öffnen? Sind die Ziele klar definiert, zeigt sich, welcher Ansatz die Überführung der Daten am effizientesten unterstützt.
Grundsätzlich gibt es drei Ansätze für einen CAD-Systemwechsel: Konvertierung, Neukonstruktion und MultiCAD. Die Ansätze unterscheiden sich punkto Dauer und Kosten und insbesondere in der zu erwartenden Datenqualität. Die Auswahl sollte auf jeden Fall gemeinsam mit den Fachabteilungen erfolgen.
Eine der grössten Herausforderungen bei jedem CAD-Systemwechsel ist die Übernahme der bestehenden Konstruktionsdaten. Denn als «verlängerter Arm» der Ingenieure und Konstrukteure ist das CAD-System eine zentrale Komponente in der Produktentwicklung. Entsprechend spielen die Sicherstellung und die reibungslose zukünftige Nutzung bestehender Daten eine entscheidende Rolle.
Um den optimalen Ablösepfad zu wählen, ist es wichtig, die eigenen Daten zu verstehen. Sind alle Daten gleich oder gibt es Unterschiede bezüglich Verhalten oder Anforderungen? Lassen sich die Daten entflechten und kategorisieren? Wie oft werden die Daten geändert und von wem? Je weniger die Daten geändert oder intern «konsumiert» werden, desto eher ist eine reine B-Rep (Begrenzungsflächenmodell) der Bestandsdaten möglich. Werden die Daten dagegen oft geändert und verwendet, bietet sich eher eine Feature Recognition an.
Neben dem eigentlichen Ablösepfad sind, wie erwähnt, auch die spezifischen Ziele des Unternehmens und die zukünftige Arbeitsweise im neuen Tool relevant. Und vor allem geht es darum, die notwendigen Daten mit der zugehörigen Qualität zu identifizieren. Die Daten haben unterschiedliche Komplexitätstreiber, die in einem fundierten Ablöse- und Migrationskonzept erfasst werden sollten. Ein wichtiger Komplexitätstreiber ist die Basis-Datenqualität: Gibt es systemische Fehler, die korrigiert werden müssen? Weitere Komplexitätstreiber sind der Datenumfang und die Datenauswahl sowie die grundlegende Veränderung der CAD-Arbeitsweise mit dem neuen System.
Um im Ablöseprozess keine Zeit zu verschwenden – z. B. weil Schritte wiederholt werden müssen –, gilt es die Gesamtkette möglichst weit zu automatisieren und iterative Verbesserungsschleifen einzubauen. Zudem sollte man genügend Ressourcen in die Analyse (der Komplexitätstreiber) und Aufbereitung (der Problemdateien) investieren. Und last but not least lohnt es sich, laufend zu testen und die Ergebnisse aussagekräftig zu bewerten, indem man die Endanwender frühzeitig und mit realen Use Cases involviert.
Damit die Zeitspanne zwischen Fehlerauftritt und Fehlerentdeckung im Projekt möglichst kurz bleibt, ist eine fundierte Planung der Projektlaufzeit unerlässlich. Die Laufzeit sollte dabei stets mit repräsentativen Daten aus dem bestehenden Datenpool getestet und extrapoliert werden. Auch durch das Schnüren und gezielte Priorisieren von Paketen kann die Laufzeit respektive die Perfomance optimiert werden. Der Fortschritt lässt sich so viel zuverlässiger nachvollziehen und berechnen als auf Basis einer reinen Dateienanzahl oder -grösse. Die priorisierten Pakete ermöglichen zudem ein rollierendes Testen jedes einzelnen Pakets durch die Endanwender. Damit hängt nicht alles von einem grossen User-Acceptance-Test am Ende der Umsetzung ab, sondern man kann auf ungenügende Qualität frühzeitig reagieren, indem ganze Paket wiederholt und neu umgesetzt werden.
Ein CAD-Systemwechsel ist ein strategisches Vorhaben. Wer frühzeitig und fundiert plant, Testphasen einbaut, Fachgruppen und Anwender einbezieht und offen kommuniziert, hat die besten Chancen, den Wechsel erfolgreich zu meistern. Denn am Ende geht es beim CAD-System nicht nur um Software – sondern darum, wie ein Unternehmen konstruiert, denkt und zusammenarbeitet.
PLM Open Hour-Slides & Aufzeichnung
Was passiert mit Ihren Bestandsdaten bei einem CAD-Systemwechsel? Diese Frage sorgt in Entwicklungsabteilungen oft für Unsicherheit – und das nicht ohne Grund. Ihr CAD-Tool ist die verlängerte Hand Ihrer Ingenieure sowie Konstrukteure und eine zentrale Komponente Ihrer Produktentwicklung. Die Sicherstellung und die zukünftige Nutzung bestehender Daten spielen während eines CAD-Systemwechsels eine entscheidende Rolle.
In dieser Open Hour zeigten wir, wie Sie die Herausforderung eines CAD-Wechsels sicher meistern. Sie haben erfahren:
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Wir haben das Webinar «Zukunftssicher mit Ihrem CAD-System – so gelingt der Systemwechsel» aufgezeichnet. Melden Sie sich dazu hier an und Sie erhalten den Zugangslink: